Unsere neu kuratierte Bibliothek
Im Juli 2026, pünktlich zum Beginn der Sommersaison, wurde die kuratierte Bibliothek der Post Lech in der Hubertus Halle eröffnet. Der großzügige, repräsentative Raum des Hotels beeindruckt mit kunstvollen Holzdetails – von den Wandvertäfelungen über die verzierte Decke bis hin zum weitläufigen Oberlicht.
Benannt nach dem heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger, Bogenschützen und Hunde, ist die Halle mit eindrucksvollen Jagdtrophäen geschmückt. Sie verleihen dem Raum seinen traditionellen, beinahe verwunschenen Charakter. Warme Honigtöne und ein besonders sanftes Licht prägen die Atmosphäre.
Die Hubertus Halle dient den Hotelgästen als exklusiver Rückzugsort für Afternoon Tea und Aperitif, zugleich aber auch als Empfangsraum für Veranstaltungen während des gesamten Jahres. Hier kommen die Gäste jeden Sonntagabend zu einem Begrüßungsgetränk und zur persönlichen Begrüßung durch die Familie Moosbrugger zusammen. Nach einem langen Wander- oder Skitag ist sie zudem ein beliebter Ort zum Innehalten und Entspannen. Im Winter wird die Halle mit ihrem knisternden Kamin zum stimmungsvollen Treffpunkt für Kaffee oder einen letzten Drink am Abend – nicht zuletzt dank der unmittelbaren Nähe zur Bemelmans Bar.
Für die Gestaltung der Bibliothek arbeitete die Post Lech mit Sans Soucis Studio zusammen. Das von Cécile Christmann geleitete Studio ist auf Hospitality Design, Storytelling und Kulturprojekte spezialisiert. Christmann studierte am Central Saint Martins College und war zuvor als Designerin und Kuratorin für den New Yorker Verlag Assouline tätig. Dort wirkte sie an der Entwicklung der Idee der „Curated Libraries“ mit, aus der das Konzept ursprünglich hervorging.
Eine „Curated Library“ ist mehr als eine klassische Bibliothek. Sie versteht sich als eigener Ort, an dem Bücher, Objekte, Kunstwerke und Atmosphäre sorgfältig aufeinander abgestimmt werden. Gemeinsam erzählen sie kulturelle Geschichten und schaffen Raum für Gespräche, Entdeckungen, Muße und Genuss.
Für die Post Lech stand hinter dem sechsmonatigen Recherche-, Kuratierungs- und Beschaffungsprozess der Wunsch, durch eine fein abgestimmte Auswahl handverlesener Bücher und besonderer Objekte jene Geschichten sichtbar zu machen, die im rund hundert Jahre alten Gasthof ebenso verwurzelt sind wie in der Geschichte und Kultur von Lech am Arlberg und Vorarlberg.
Ob zeitgenössisch oder historisch, aus der ursprünglichen Bibliothek der Post oder aus aller Welt zusammengetragen: Die Bücher und begleitenden Erinnerungsstücke erzählen von der Landschaft, Architektur, Kulinarik und Weinkultur der Region. Gleichzeitig begegnet man berühmten Persönlichkeiten, die das Tal im Laufe der Jahrzehnte besucht haben – darunter die Fotografen Slim Aarons und Robert Capa, Olympiasieger im Skisport sowie Mitglieder verschiedener europäischer Königshäuser.
Klassiker der Wiener Literatur von Autoren wie Stefan Zweig oder Vicki Baum stehen neben Werken von Schriftstellern, die eng mit der alpinen Reise- und Literaturgeschichte verbunden sind. Ernest Hemingway etwa war regelmäßiger Gast im benachbarten Montafon, wo er an einigen seiner bedeutendsten Werke arbeitete, darunter „The Sun Also Rises“. Eine seltene Ausgabe von Romain Garys „The Ski Bum“ ergänzt diese besondere Auswahl alpiner Literatur und High-Society-Geschichte des 20. Jahrhunderts. Hinzu kommen zahlreiche Monografien über Sport sowie legendäre Ski- und Wanderdestinationen rund um die Welt.
Auch Lech am Arlberg selbst ist reich an Legenden – von seiner engen Verbindung mit der Entstehung des alpinen Skisports bis zu seinem heutigen Ruf als eine der exklusivsten Urlaubsdestinationen der Alpen. Die Bibliothek bietet daher zahlreiche Möglichkeiten, sowohl in historische als auch in zeitgenössische Geschichten des Ortes einzutauchen.
Andere Bände widmen sich österreichischen Weinen und ihren Herkunftsregionen – einem Thema, das in den Restaurants und an der Bar der Post ebenso gelebt wird wie bei den wöchentlichen Weinverkostungen am Mittwoch. Daneben finden sich reich illustrierte Cocktailrezepte von Cecil Beaton, dem einflussreichen Maler und Fotografen, der auch als Porträtist des britischen Königshauses bekannt wurde.
Dezente Hinweise gibt es außerdem auf „The Jump“, Hans Truöls ikonische Fotografie des Lecher Olympiasiegers Egon Zimmermann, der scheinbar über einen legendären Porsche 356 am nahe gelegenen Flexenpass springt. Das Fahrzeug ist bis heute eng mit Lech verbunden und insbesondere während der alljährlichen Arlberg Classic Car Rally im Juli immer wieder auf den Straßen zu sehen. Aufmerksame Gäste entdecken historische Abzüge aus Truöls berühmter Fotoserie auch in den Gängen und Treppenhäusern der Post Lech. So entstehen feine Verbindungen zwischen den Werken der Bibliothek, dem Hotel selbst und seiner Geschichte.
Ludwig Bemelmans – eine besondere Verbindung zu Lech
Die wohl prägendste Persönlichkeit innerhalb der Bibliothek ist jedoch Ludwig Bemelmans (1898–1962). Der österreichisch-amerikanische Autor und Illustrator wurde vor allem durch seine erfolgreichen „Madeline“-Kinderbücher bekannt. Als außergewöhnliche Persönlichkeit prägte er mit seinem umfangreichen zeichnerischen und literarischen Werk sowohl die Presseillustration als auch die Literatur des 20. Jahrhunderts.
Nicht zufällig trägt auch die ikonische Bemelmans Bar der Post Lech seinen Namen – als Hommage an eine Persönlichkeit, die eng mit dem Hotel und dem Ort Lech verbunden ist. Die einzige weitere Bemelmans Bar befindet sich im New Yorker Hotel The Carlyle, wo originale und vielbeachtete Wandmalereien des Künstlers zu sehen sind.
In der neuen Bibliothek der Hubertus Halle begegnet man Bemelmans in unterschiedlichsten Werken: in hervorragend erhaltenen, rund 70 Jahre alten Kochbüchern, die er für das deutschstämmige New Yorker Restaurant Lüchow’s illustrierte, in Publikationen über Künstlerkollegen wie Cecil Beaton oder Raymond Briggs, in seltenen Monografien des „New Yorker“ und des „Holiday Magazine“ – und natürlich in seinen eigenen Büchern, in denen Lech und Vorarlberg immer wieder Erwähnung finden.
Ein besonderes Exemplar ist „The High World“, ein seltenes Buch aus dem Jahr 1954. Es stammt direkt aus der Sammlung der Familie Moosbrugger und wird heute geschützt in einer eigens angefertigten Holz- und Glasvitrine präsentiert. Auf dem wunderschön gealterten Einband zeigt Bemelmans Lech mit seiner unverkennbaren Kirche und dem Fresko – eine poetische Momentaufnahme des Ortes.
Geschichten bewahren – und neue entstehen lassen
Während sich die Post Lech darauf vorbereitet, das 90-jährige Jubiläum ihrer Geschichte mit der Familie Moosbrugger zu feiern, und zugleich 40 Jahre seit der Entstehung der Hubertus Halle und der Bemelmans Bar vergangen sind, scheint der Blick zurück besonders wertvoll. Denn die Geschichten und Legenden der Vergangenheit bilden die Grundlage dafür, neue weiterzuschreiben.
Vom leidenschaftlichen Skifahrer bis zum Cocktail-Liebhaber lädt die neue Bibliothek jeden Gast dazu ein, diese Welt aus Wissen, Geschichten und Entdeckungen auf ganz persönliche Weise zu erkunden. Unterschiedliche Formate, Materialien, Illustrationen und Objekte treffen dabei auf das unverwechselbare historische Ambiente der Hubertus Halle.
In einer Zeit, in der unser Alltag immer schneller und dichter wird, ist ein solcher Ort des Rückzugs vielleicht wertvoller denn je. Sich Zeit zu nehmen, in einem Buch zu blättern, eine Geschichte zu entdecken oder einfach in der warmen Atmosphäre der Hubertus Halle zu verweilen, wird selbst zum Luxus.
Ein leiser Luxus, den nur wenige Orte auf diese Weise bieten können.





